BKL-Ausbildungsrichtlinien

II. Abschnitt: Akademische Ausbildung

§ 2 Studium

Erforderlich ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium "Klinische Linguistik", wobei es sich grundsätzlich um einen Diplom- oder Magister-/Master-Studiengang handeln sollte, in dem alle nachfolgend spezifizierten Inhalte integriert sind. Soweit es sich nicht um einen grundständigen und kultusministeriell genehmigten Studiengang Klinische Linguistik/Patholinguistik handelt, kann ein Diplom- oder Magisterstudiengang der nachfolgend bezeichneten Ausrichtung anerkannt werden



§ 3 Hauptfach

(1) Das Hauptfach muß Linguistik, Psycholinguistik oder Phonetik sein. Der Studienschwerpunkt im Hauptfach muß inhaltlich auf dem Bereich „Störung der Sprache und Sprechmotorik" liegen. Solche Studienschwerpunkte können z.B. unter der Bezeichnung "Neurolinguistik", "Klinische Linguistik", "Patholinguistik" o.ä. angeboten werden. Ein solcher Studienschwerpunkt muß von der Hochschule und dem BKL ausdrücklich bescheinigt werden. Außerdem muß sichergestellt sein, daß alle relevanten Teilgebiete der Klinischen Linguistik innerhalb des Grund- und Hauptstudiums belegt werden können. Der Besuch der Lehrveranstaltungen zu den unten ausgeführten obligatorischen Teilbereichen muß im einzelnen nachgewiesen werden können.

(2) In begründeten Einzelfällen kann das Hauptfach auch Germanistische Linguistik oder Kommunikationswissenschaft sein, wenn an der jeweiligen Hochschule nur innerhalb dieses Faches ein entsprechender Studienschwerpunkt möglich ist. Wenn das Hauptfach Phonetik ist, muß eines der Nebenfächer Linguistik oder Psycholinguistik sein und ein Studienschwerpunkt "Klinische Linguistik" o.ä. nachgewiesen werden können.



§ 4 Nebenfächer

Eines der Nebenfächer muß entweder Psychologie, Neuropsychologie, Neurologie oder Sprachheilpädagogik sein. Das zweite Nebenfach sollte eine inhaltlich sinnvolle Ergänzung darstellen. Neben den Fächern Psychologie, Neurologie und Sprachheilpädagogik kommen hierfür insbesondere die Fächer Phonetik, Pädagogik, Medizinische Psychologie oder Philologien in Betracht.



§ 5 Zusätzliche Studienschwerpunkte

Soweit sie nicht durch die gewählte Fächerkombination abgedeckt sind, müssen relevante Kenntnisse in den Fächern Phoniatrie, Neurologie und Psychologie durch Belegung nachgewiesen werden.



§ 6 Relevante Teilgebiete der Klinischen Linguistik

Obligatorische Teilgebiete der Klinischen Linguistik, die in Lehrveranstaltungen zu belegen sind, sind:

I. Linguistische und psycholinguistische Grundlagen Syntax und Morphologie Semantik und Pragmatik Phonologie und Phonetik Text und Gespräch Psycholinguistik des Spracherwerbs* Psycholinguistische Modelle der Sprachverarbeitung (z.B. Logogen-Modell, Levelt)

II. Interdisziplinäre Grundlagen Phoniatrische/sprechwissenschaftliche Grundlagen (Stimme, Atmung, Rede und ihre Störungen) Neurologische Grundlagen des Sprechens und der Kommunikation (Pathophysiologie, Neuroanatomie, Ätiologien) Pädiatrie* Psychologische Grundlagen (kognitive Psychologie, Lernpsychologie) Methodenlehre/Statistik Professionelle Kommunikation (z.B. Therapeutenverhalten, Arzt-Patient-Kommunikation) Pädagogik (Sprachbehindertenpädagogik, Sonderpädagogik)*

III. Klinische Linguistik - Erworbene Sprach- und Sprechstörungen Erworbene Störungen der Sprache (Aphasie, Demenz) Erworbene Störungen der Schriftsprache (Alexien und Agraphien) Erworbene phonetische Störungen (Dysarthrophonie, Sprechapraxie) Dysphagien Vertiefungen zu mindestens einem Teilgebiet der erworbenen Sprach- und Sprechstörungen (z.B. Agrammatismus, phonologische Störungen) Kognitive Neurolinguistik (Fallanalysen) Diagnostische Methoden in der Klinischen Linguistik Methoden der Intervention in der Klinischen Linguistik

IV. Klinische Linguistik - Entwicklungsbedingte Störungen* Spezifische Sprachentwicklungsstörungen Sprachentwicklungsstörungen bei komplexen Behinderungen Phonetisch-phonologische Störungen Hörverarbeitung Kindliche Hörstörungen und Cochlea Implantat Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten und Rhinolalien

* Die gekennzeichneten Bereiche sind nur dann abzudecken, wenn für diesen Bereich eine zulassungsfähige Ausbildung angestrebt wird.



§ 7 Übergangsregelungen

Übergangsregelungen können vom BKL erlassen werden.

 

Quelle: http://www.bkl-ev.de/ausbildung/studium.php
Stand: 16.06.2011

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